Drei Wochen auf Reisen

Ich bin nun wieder zuhause in Chiang Rai angekommen und es liegen drei schöne, sehr ereignis- und abwechslungsreiche Wochen hinter mir. Ein Reisebericht.


Im Grunde lässt sich die Reise, die Hendrik und ich unternahmen, in mehrere Etappen unterteilen: Loei, Bangkok, Siem Reap, Phnom Penh. Die verschiedenen Stops boten uns ein sehr kontrastreiches Programm.

1 Loei

Ursprünglich war Sukhothai als erste Station geplant gewesen, doch wir entschieden uns spontan direkt weiterzufahren. Loei ist eine Provinz im Nord-Osten Thailands. Es gibt dort vor allem Natur zu erleben. Berge und Wälder so weit das Auge reicht und auch keine wirklich große Stadt (die Haupstadt Loei hat nur etwa 25000 Einwohner). Die Nationalparks der Region sind beliebte Urlaubsziele bei der einheimischen Bevölkerung. Davon ließen wir uns inspirieren und beschlossen zunächst den Phu Ruea National Park zu erkunden. Wir hatten Glück, dass eine nette Familie uns in ihrem Auto mit auf den zu besteigenden Berg nahm. Alles andere als glücklich war allerdings das Wetter während der zwei Tage, die wir dort verbrachten. Schon am ersten Tag war die ansonsten wahrscheinlich sehr eindrucksvolle Aussicht von Wolken verhangen. Am nächsten Morgen scheiterte der Versuch den Sonnenaufgang zu beobachten daran, dass man durch den dichten Nebel auf dem Gipfel schlichtweg nur wenige Meter weit sehen konnte. Im Anschluss wurden Abstieg und (noch nicht geplante) Weiterreise durch stundenlangen Regenzeit-Regen sehr erschwert beziehungsweise unmöglich gemacht.

Nach langem Warten und Kaffeetrinken ging unsere Reise dann weiter nach Phu Kradueng, ein anderer, ziemlich bekannter Nationalpark. Dass wir dort erst sehr spät abends ankamen brachte eine zusätzliche Erfahrung mit sich. Wegen mangelnder Alternativen verbrachten wir die Nacht in einem kleinen Bungalow im Dorf am Fuße des Bergs. Dieses Bungalow sah so aus als wäre seine Existenz vor einiger Zeit einfach vergessen worden. Unser Zimmer in Chiang Rai war dagegen purer Luxus. Aber auch das einfache, dreckige Extrem muss man mal erlebt haben. Viel schlimmer kann es nun schließlich nicht mehr kommen. 😉

Am nächsten Tag stand Wandern an. Anders als bei Phu Ruea kann Phu Kradueng nur zu Fuß erreicht werden. Ungefähr 4 Stunden brauchten wir für die knapp 1000 Höhenmeter. Der Berggipfel ist im Prinzip ein riesiges Plateau, dass man auch ausschließlich zu Fuß erkunden kann. So machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg, liefen insgesamt etwa 30 Kilometer, kamen an 6 oder 7 wunderschönen Wasserfällen und einem kleinen See vorbei um schließlich an einer Klippe den Sonnenuntergang zu sehen. Mehr oder weniger, weil wieder nicht wolkenlos. Auf dem Weg zurück zum Zeltplatz fiel uns dann auf, dass wir beide wahrscheinlich noch nie einen so schönen Sternenhimmel gesehen hatten.

Der dritte Tag war dann wieder etwas weniger anstrengend. Zum zweiten mal versuchten wir den Sonnenaufgang zu sehen und hatten zumindest ein klein wenig mehr Glück als auf Phu Ruea. Den letzte Abend allerdings war einer, den man nicht vergisst. Wir liehen uns beim Camp zwei Gitarren, wanderten zu unserer Lieblingsklippe und spielten und sangen bis es dunkel wurde.

Nach dem Abstieg verbrachten wir noch zwei Tage im Tal. Ein Roller-Tagesausflug nach Chiang Khan war für uns das letzte Highlight in Loei. Chiang Khan ist ein kleines Städtchen direkt am Mekong, also an der Grenze zu Laos, und wiederum ein beliebtes Reiseziel unter Thais. Obwohl deswegen sehr touristisch geprägt und etwas kitschig ist es doch ein sehr angenehmer, künstlerischer und ausgesprochen hübscher Ort. Zum Abend hin verändert sich einiges. Nachdem man den Sonnenuntergang über dem Mekong bestaunt hat wird der Ort erst richtig lebendig und ein großer, touristischer Nachtmarkt schmückt die Straße.

2 Bangkok

Natürlich ein riesiger Kontrast. Von einer der am wenigsten besiedelten Regionen direkt in die Hauptstadt. Glücklicherweise besitzt eine meiner Lehrerinnen ein Zimmer in Bangkok und bot uns an dort zu wohnen. So kamen wir also anstatt in einem Backpacker-Hostel in einem Stundentenviertel unter, in dem wir weit und breit die einzigen Ausländer waren. im Laufe der Tage fanden wir uns dort auch richtig ein und verbrachten einige Zeit dort, in Bars und Internet-Cafes.

Unsere erste Unternehmung in Bangkok war ein Besuch des Jatujak Weekend Market, einer der größten Märkte der Welt. Das ist selbstverständlich ein teueres Vergnügen. Es ist praktisch unmöglich den gesamten Markt, auf dem es schlicht und einfach alles gibt zu erkunden, zumal man oft bei interessanten Ständen hängenbleibt.

Am nächsten Tag war die Hauptsache das Feiern, das wir nach einer Woche Natur natürlich schmerzlichst vermissten. Deshalb machten wir uns auf, die berüchtigte Khao San Road zu erleben. Erlebnis beschreibt das dortige Geschehen recht gut. Skorpione essen, Lachgas ausprobieren, Trinken, Tanzen, Leute kennenlernen und vieles mehr. Es ist wie eine eigene kleine Welt mitten in Bangkok, die eben hauptsächlich von westlichen Backpackern bevölkert wird.

Schließlich schaffte ich es sogar eine alte Freundin wiederzutreffen. Byte kommt aus Thailand und hat vor drei Jahren gleichzeitig mit mir ein Auslandsjahr in den USA gemacht. Wir besuchten dort dieselbe Schule. Nun studiert sie zurzeit in Bangkok und so war es nicht schwer ein Treffen zu arrangieren. Es ist wirklich sehr schön jemanden nach so einer langen Zeit wiederzusehen und sich auszutauschen. Schön, wie die Dinge sich manchmal fügen.

3 Siem Reap

Mit dem Bus starteten wir dann in Richtung Kambodscha und machten zunächst in Siem Reap halt. Dort trafen wir uns auch mit ein paar Freunden: Simon, Sebastian und Viola, die aus dem Süden kamen, und Amelie, die Freiwillige in einem Projekt in Kambodscha ist. Siem Reap ist vor allem wegen den Angkor Ruinen bekannt, die sich gut 10 Kilometer entfernt von dort befinden. Die Ruinen und besonders Angkor Wat sind eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Welt, was man schnell an der gewaltigen Menge von Touristen merkt. Die Stadt Siem Reap an sich machte auf mich persönlich einen äußerst unsympathischen Eindruck. Im Stadtzentrum befindet sich eine extrem verwestlichte „Pub-Street“ zur Vergnügung für die Touristen und zudem an jeder Ecke eine Unzahl von Tuk-Tuks, deren Fahrer einem auf extrem penetrante Art und Weise ihre Dienste (oder Drogen) anbieten. Es ist eine Stadt, deren gesamte Existenz sich auf den Tourismus begründet. Das Bier ist hier so billig wie Wasser. Dieser fade Beigeschmack hielt uns aber nicht davon ab uns dort zu vergnügen. Unser Hostel hatte einen Pool und wir fanden auch schnell andere Reisende mit denen wir viel Spaß haben konnten.

Unser erster Sightseeing-Trip führte zum großen See Tonle Sap, wo wir das Floating Village besichtigen wollten. Das Ganze stellte sich als extrem teuer ($20 pro Person für die Bootstour) und ziemlicher Reinfall heraus. Relativ schnell merkten wir, dass wir hier lediglich als potentielle Geldgeber gesehen wurden. Der Tourführer versuchte in seinem auswendig heruntergeleierten Vortrag mehrmals extrem Mitleid bei uns zu erwecken, um uns dann um Geld zu bitten, sei es für die Kinder im Waisenhaus oder ihn selbst. Das Ganze war hochprofessionell einstudiert und so hatte man die gesamte Zeit das Gefühl, einem Betrug zum Opfer gefallen zu sein.

Die zweite Attraktion, Angkor Wat, war weniger enttäuschend. Allein die gewaltige Größe der Anlage ist beeindruckend. Der eine Tag, den wir dort verbrachten, war bei weitem nicht genug um das volle Programm zu bewältigen. Die Tempel Angkor Wat und Ta Prohm hatten wir begangen, da war die Sonne eigentlich auch schon am untergehen und wir radelten zurück zum Hostel.

4 Phnom Penh

Die Hauptstadt Kambodschas, der letzte Stop unserer Reise. Zunächst aber begleiteten wir Amelie zu ihrem Projekt in Tonle Bati, gut eineinhalb Stunden von Phnom Penh entfernt. Während wir in Thailand neben unserer Lehrertätigkeit gewissermaßen unser eigenes freies Leben führen, ist dort nahezu die gesamte Aufmerksamkeit der Schule gewidmet, zumal die Freiwilligen auch direkt vor Ort untergebracht sind. Wir lernten die sehr nette Gruppe kennen, beziehungsweise freuten uns darüber bekannte Gesichter wiederzusehen, und halfen sogar ein wenig beim Arbeiten. Wer interessiert ist kann auf Amelies Blog genaueres zu dem sehr spannenden Projekt erfahren:

https://ameliekambodscha.wordpress.com   (Passwort: kambodscha)

Danach verbrachten wir noch eine kurze Zeit in Phnom Penh. Das letzte Highlight – wenn man es so nennen will – war das Choeung Ek Genocidal Center, einst eines der berühmten „Killing Fields“ der Roten Khmer. Mit einem Audio-Guide ausgestattet begeht man dort das Gelände, zu dem unzählige Menschen gebracht wurden um einen grausamen Tod zu erleiden. Es ist unglaublich interessant und gleichzeitig sehr deprimierend mehr über Kambodschas Geschichte um die Roten Khmer zu erfahren. Dort gewesen zu sein fühlte sich richtig und notwendig an.


Alles in allem war es ein sehr gelungener Urlaub. Wir haben Natur, Großstadt und sogar ein fremdes Land erlebt, wobei jede unserer Stationen wie ein eigenes kleines Kapitel war, das sich komplett von den anderen unterschied. Nun sind wir erst einmal wieder mit Arbeiten beschäftigt. Und je länger der Urlaub andauerte und je freier man sich dadurch fühlte, desto mehr freuten wir uns doch auch darauf zurückzukommen, wieder einen geregelten Tagesablauf zu haben und das Zuhause-Gefühl zu genießen. Das ist ein erstaunliches und ein schönes Gefühl: richtig zuhause sein in einem fremden Land.

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